Die Gründung des Rodinger Burschenvereins und seine Geschichte

Der Rodinger Burschenverein spaltete sich 1883 aus unbekannten Gründen vom Gesellenverein Roding ab und bildete sich aus Söhnen der sogenannten besseren Häuser. Der Zusammenschluss lediger Männer hatte schon damals das oberste Ziel, die Geselligkeit zu pflegen. Antriebsfeder des neuen Burschenvereins war wohl der neue Postwirt und Posthalter und spätere Königlich Bayerische Ökonomierat Andreas Rothfischer.

Das Haus zur Post

Erstes Haus am Platze war damals die Gaststätte „Zur Post“, die durch ihre Lage am Oberen Markt und den Postgarten mit seinen schattigen Kastanien in der Falkensteiner Straße der perfekte Treffpunkt zum Früh- und Dämmerschoppen für die Burschenschar. Andreas Rothfischer warb seine Spezln und andere Gleichaltrige dem Gesellenverein ab und zog sie in sein Haus, welches so schließlich zum Stammwirtshaus der Burschen auserkoren wurde. Im Postsaal wurde Theater gespielt, was den Burschen einiges Geld in die Kassen spülte, und am 15. November 1883 der 1. Burschenball gefeiert.

Gründungsvorsitzender war der spätere Bürgermeister Trautner Toni, welcher dieses Amt vier Jahre lang ausübte. Sein Stellvertreter war August Straßburger, welcher dem Trautner Toni später ins Amt des Bürgermeisters folgte. Ergänzt wurde die Gründungsvorstandschaft vom Schwab Sepp und dem Musikus Sepp Premm, der lange Jahre bei Burschenvereinskranzeln und Bällen für die Musik zuständig war. Vereinskassierer war der Ederer Xaver.

Die Burschen genossen hohes Ansehen

Von den Honoratioren des Marktes wurden die jungen Männer, die fleißig von ihrem Burschenhorn gefüllt mit edlem Gerstensaft Gebrauch machten, geduldet. Die hohe Geistlichkeit jedoch war anfangs nicht besonders begeistert vom Treiben der Burschenschaft, was mitunter die Tatsache beweist, dass erst bei der Fünfzig-Jahr-Feier ein Geistlicher zu den Burschen sprach, nämlich der neue Pfarrer Johann Baptist Reinwald. Da die meisten der Väter jedoch angesehene Bürger waren, genoss der Burschenverein zumindest bei der hohen Obrigkeit etwas mehr Ansehen und so drückten der Gendarm Josef Meier und Oberamtsrichter Rudolf Dost nicht nur einmal ein Auge zu, um die teils derben Späße der Burschen nicht ahnden zu müssen.

Jung und wild am 1. Mai

Besonders schlimm trieben es die jungen Männer damals in der Nacht zum 1. Mai, der Walpurgisnacht. Zum Gespött des ganzen Ortes setzten sie Geizhälsen, Neidhammeln und ähnlich unbequemen Zeitgenossen bei Nacht und Nebel einen vollen Mistwagen auf den Dachfirst. Daraus ergab sich die bis heute erhaltene Tradition des Maibaumsteckens, bei der man der Angebeteten in aller Heimlichkeit in der Walpurgisnacht einen mit bunten Bändern verzierten Birkenbuschen in die Dachrinne steckt.

Ablösung des Gründungsvorstand durch Todesfälle

1906 starb Anton Trautner im siebten Jahr seiner Amtszeit als Bürgermeister als erstes Mitglied der Gründungsvorstandschaft.Mit dem Tod des Prinzregenten begann 1912 für den Burschenverein eine ruhige Zeit. Von 1915-1918 hatte man aufgrund des Krieges keine Vorstandschaft, da im Zuge der Mobilmachung viele junge, wehrfähige Männer eingezogen wurden und leider auch viel zu viele im Feld blieben.

In den Zwischenkriegsjahren kam dann die große Zeit des Schmid Sepp, genannt Schmilzer, der noch 1949 zusammen mit dem Steinbauer Franz die Mädchen mit der Kutsche zum Ball abholte und bis heute der einzige Bursch ist, der das Burschenhorn (5 Halbe) ex trinken konnte. Er stellte zusammen mit seinen Brüdern Georg (Kalte), Anton, Michel, Hans, Hermann, Christoph und Willy fast den halben Burschenverein. Es war auch die Burschenzeit von Sepp Kellermeier, Georg Ring, Richard Zeider, Anderl Rothfischer, des jungen Rödl-Christ, Lehner Schorsch (Gore), Schmidbauer Hans (Platterer), Rothfischer Toni (Schluderer) und Wittmann Anton. Ende der Zwanziger Jahre folgten dann Hans Rödl, Sepp Niklas (Xite), Fritz Premm und Mich Schwarzfischer in die Vorstandschaft, während der Ghandi (Stritter Schorsch jun.) bereits als „Pfarrer“ die Beerdigungen des Prinzen Karneval nach dem „Kehraus“ vornahm.

1931/32 wurde der Kerscher Mich, Sohn des Löwenbraumeisters und Gastwirts Alois Kerscher Vorstand. Ihm folgten der Hutmacher Grüneis Schorsch (1936), der Brand Sepp jun. (1937/38) und schließlich 1938 der Kellermeier Hans als letzter Vorstand vor dem Zweiten Weltkrieg. Ab 1939 wurden die jungen Männer einmal mehr zu den Fahnen gerufen.

Das Kronjuwel im Burschenjahr - Burschenball

Höhepunkt des Burschenjahres ist noch heute der Burschenball. Hier herrschte in den frühen Jahren ein strenges Reglement, welches über Jahrzehnte hinweg eingehalten wurde. Der Ball samt Kehraus und Geldbeutlwaschen waren auf den Markt Roding beschränkt. An der Regenbrücke und den Stadttoren war Schluss und nur die Burschen und Mädchen des Marktes durften zum Burschenball. Um die 80-100 Personen kamen schon damals zum Ball, womit die Kapazität der Post und beim Reiserer ausgeschöpft war.

Der Bretthupfer und seine Aufgabe

Der Schmid Sepp holte zusammen mit einem „Brettlhupfer“ die Mädchen mit seiner Kutsche ab und lieferte sie vorm Tanzsaal ab, wo bereits der Sedlmeiser Karl als Tanzmeister parat stand und zur Eröffnung der Polonaise den „Frassee“ an, ohne den niemals in Roding ein Ball eröffnet wurde. Die Damen hatten Tanzkarten, welche bereits Wochen im Voraus ausgefüllt wurden und die Burschen mussten für die Tänze bezahlen. Ein Tanz kostete 50 Pfennig, drei Tänze eine Mark.

Der eben erwähnte „Brettlhupfer“ ist eine typisch bayerische Wortumschreibung, die die Tätigkeit des „Brettlhupfers“ ziemlich genau umschreibt. Dieser steht nämlich am hinteren „Brettl“ der Kutsche und ist beim Ein- und Aussteigen behilflich. Damit ist es jedoch noch nicht getan, denn weiterhin muss er während seiner zweistündigen Tätigkeit beim Einholen der Mädchen noch etliche Schnäpse und diverse andere alkoholische Getränke zu sich nehmen, weshalb sich als „Brettlhupfer“ schon immer nur ein ganzer Kerl eignete, einer wie der „Fürst von Thoren“.

 

Die Entwicklung des Burschenballs nach dem 2. Weltkrieg

Im Frühjahr 1945 übernahm nach dem Einzug der Amis Captain Charles R. Buchheit als Gouverneur das Militärkommando von Roding und der 1946 frischgebackene neue Burschenvorstand Sepp Brand jun. musste mehrere „Canossa-Gänge“ unternehmen, bis der gutmütige Captain schließlich dem Burschenball zustimmte. Dieser fand dann am 4. März 1946 im Lobmeyer (Reiserer)-Saal statt und muss nach den vielen Jahren des Krieges und der Entbehrungen eine Riesengaudi gewesen sein.

Oberantreiber bei diesem Ball waren die Gaudiburschen Schmid Sepp und Steinbauer Franz (Baron von Stein), der Kalte, der Kerscher Mich, der Brand Sepp, der Lindl Helm und der Friedl Hans. Franz Steinbauer wurde dann auch drei Jahre lang Vorstand, wechselte 1948 mit dem Burschenball vom Reiserer zum Greiner und holte sich 1947 die Kellermeier Rosi, 1948 die Weiß'n Maria und 1949 die Paulus Hanni als Ballkönigin. Zu dieser Zeit wurde auch das Geldbeutel-Waschen erfunden und seither wird am Aschermittwoch beim Kerscher das zünftige Fischessen abgehalten.

 

Zurück zu Zylinder, Frack und Ballorden

Ab 1948 wurde der Rodinger Burschenball wieder in Frack und Zylinder, mit Ballorden und den hübschen Mädchen gefeiert. 1950 wurde der Bauer Sepp zum Vorstand gewählt und sein Vertreter war der Friedl Hans. Man ließ das Burschentreiben wieder aufleben und die Beerdigungen des Prinzen Karneval mit dem Original Ghandi wurden jährliche Höhepunkte. Im selben Jahr hatte man mit dem Lindinger Ernst und der Kellermeier Rosa auch wieder ein fesches Prinzenpaar. Der Fasching hatte Tradition. So war der alte Kerscher Alois bereits 1894 als „Gambrinus“ beim Burschenball aufgetreten und 60 Jahre später der „Fries'n Jacky“, der als „Fürst von Thoren“ in den Ring stieg, in der Gestalt des legendären bacchantischen Säufers mit dem großen Humpen, der singt

Der Fürst von Thoren

„Ich bin der Fürst von Thoren, zum Saufen auserkoren! Ihr alle seid erschienen, mich fürstlich zu bedienen. Der Jäger spannt's Gefieder, schießt Reh und Hirschlein nieder. Ihr andern aber alle, stoßt in das Horn, das' schalle!“, anschließend seine gefüllte Maß auf ex austrinkt, wobei ihm die Zecherschar ermunternd zusingt:

„Ins Horn, ins Horn, ins Burschenhorn, sauf aus, sauf aus, Du Fürst von Thoren!“

Nach dem letzten Zug bedankt sich der Fürst mit folgendem Abgesang:

„Was nützet mir mein hoher Thron, das Zepter und die Burschenkron, was nützet mir mein Regiment, wenn ich es leg in … Hände!“

Auch in Zukunft wird die Geselligkeit und die Tradition gelebt

 

Quelle:
Peter Reidl: „Roding und sein Burschenverein „ Rodinger Heimat Bd. 2, Jahrgang 1985
Kurzfassung von Sabrina Schreiner, Roding